09.03.09 - Igel

Menschen die mich gut kennen, wissen, dass ich unter einem ausgeprägtem „Igel-Syndrom“ leide. Ich liebe es, mich zeitweise zurückzuziehen und alleine zu sein. Diese Eigenart kann ich hier voll und ganz ausleben. Die Appartementanlage ist sehr entlegen.

Ich habe gestern am Markt jede Menge Lebensmittel eingekauft und es mir in meinem Domizil gemütlich gemacht. Jetzt arbeite ich seit einigen Tagen fleißig an der Webseite. Dazwischen genieße ich den schönen Ausblick oder koche mir gutes Essen.

Der Lago Atitlan ist seit langem mein Traumplatz. Vor 13 Jahren kennen gelernt, kehre ich immer wieder zurück. Geheimtipp ist es zwar keiner mehr, aber immer noch abgeschieden und schwer erreichbar. Zum Glück wurden keine Straßen ausgebaut. Man benutzt immer noch den Wasserweg um in die kleinen Dörfer entlang des Sees zu gelangen.
Doch mein geliebtes Paradies bekommt langsam hässliche Flecken. Zum Einen wird der See immer mehr vergiftet. Nicht nur, dass die Abwässer der wachsenden Ortschaften ungefiltert in den See gelangen, auch die Pestizide und Düngemittel der Landwirtschaft werden zur Regenzeit in den See geschwemmt. So bilden sich grüne Algenteppiche und der See wird langsam sterben. Es ist ein Drama. Und es schmerzt mich. Alles wird zerstört und keiner unternimmt etwas.
Wie ich höre wurde die Filteranlage der größten Ortschaft „Panajachel“ von Hurrikan „Stan“ völlig zerstört und seitdem nie wieder in Stand gesetzt. Das ist nun 5 Jahre her! Seitdem fließen die Abwässer ungefiltert in den See. Es ist ein Verbrechen diesen energetisch magischen Ort so zu zerstören.


Und dann gibt es noch die täglichen Meldungen von Gewalttaten. Fast jeden Tag wird irgendwo rund um den See irgendwer ermordet oder beraubt oder vergewaltigt. Letzte Woche hat es einen Franzosen erwischt, der von seiner Indigene Freundin umgebracht wurde – ihre Familie hat gezahlt und jetzt ist die Frau wieder auf freiem Fuß.
Hier vor der Anlage auf der Strasse wurde letzte Woche jemand ausgeraubt. Gestern gab es einen Toten in San Pedro – anscheinend eine Bandengeschichte. Wie ich höre, gibt es sogar im kleinen Nachbarort Tsununa seit Neuestem auch eine Bande. Pierre, der Besitzer der Anlage, erzählt mir, dass das daher kommt weil einige Guatemalteken aus den Staaten zurückkehren und diese „Seuche“ hierher einschleppen.
Wo führt das alles noch hin? Wo gibt es noch einen Platz wo man sich zurückziehen und sicher fühlen kann? Ich bin sehr traurig. In meinem „Paradies“!

Nicaragua - The Country

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